Transkription von Interviews und anderen Audiodaten

Was ist eine Audio-Transkription in der Qualitativen Sozialforschung?

Die Transkription (lat. transcribere, hinüberschreiben) von lebensweltlichen Audiodaten (z.B. Interviewdaten), gelegentlich auch “Abschrift” genannt, ist ein wichtiger Arbeitsprozess vieler qualitativer Forschungsarbeiten: Aufzeichnungen der gesprochenen Sprache werden in ein Textdokument übertragen, das sogenannte “Transcript”, welches anschließend in der weiteren Forschungsarbeit genutzt wird.

Welche Transkriptionsstandards für Audiodaten gibt es?

Die qualitative Sozialforschung verfügt über ein bewährtes Set an Transkriptionsstandards, die von eher groben bis zu eher feinen Transkriptionen reichen. Die verbreitetsten Standards sind:
Dresing/Pehl (einfache und erweiterte Regeln)
Hoffmann-Riem-Transkription
Hermeneutisch-wissenssoziologische Transkription (HWST)
Kuckartz Transkription für die inhaltsanalytische Auswertung
Kallmeyer-Schütze
Rosenthal
TiQ (Talk in Qualitative Social Research)

Weitere Standards, etwa in der Linguistik, sind
GAT2 (Gesprächsanalytisches Transkriptionssystem)
Transkription mit Partiturschreibweisen (z.B. Elan, Feldpartitur)
Edwards
 (Diskursanalytisches Transkriptionssystem)
Phonetische Transkription
Multimodale Transkription
Transkription mit Partiturschreibweisen (z.B. Elan, Feldpartitur)
und viele weitere

Der Prozess der Transkription 

Das Transkribieren ist ein vielthematisierter Prozess, der in den unterschiedlichen qualitativ-methodischen Zugängen ganz unterschiedlich gehandhabt wird (siehe Literaturhinweise unten).
Folgende Stichworte können Ihnen helfen, einen Einstieg in die Fragen rund um die Wahl der für den eigenen Zweck richtigen Transkriptionsweise zu finden:

Die automatische Transkription ist sehr günstig, für sozialwissenschaftliche Zwecke jedoch meist nicht von Belang, da die gesprochene Sprache zum einen automatisch korrigiert wird, und die word-by-word-Transkription aufgehoben wird, zum anderen sich wichtige sprachliche Phänomene wie Dialekt, Pausen etc. nicht abbilden.

Eine Eigentranskription ist zwar zeitaufwändig, verhilft jedoch während der Transkription zu einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Material. Die erforderlichen Kompetenzen, die für eine valide Transkription notwendig sind, lassen sich autodidaktisch oder in entsprechenden Seminaren erlernen.

Die Fremdtranskription verursacht Kosten, spart aber unter Umständen viel Zeit und somit weitere Kosten.
Eine Fremdtranskription mit dem sog. 4-Augen-Prinzip geht mit einer Erst- und Zweittranskription einher. Die Zweittranskription ist ein eigenständiger Durchgang, in dem ausschließlich die erste Transkription nochmals korrigiert wird. Auch wenn mit der Zweittranskription noch immer gelegentlich kleinere Tippfehler auftreten (es handelt sich bei allen Transkripten noch immer um Handarbeit, daher sind auch geübte Transcriber nicht vor einem Tippfehler gefeit), handelt es sich um eine druckfähige Vorlage, die üblicherweise mit einem rtf-Lieferformat für die weitere Verwendung (etwa als Beigabe für Forschungspublikationen oder zur Langzeitarchivierung in einem Archiv) zur Verfügung steht. Die Fremdtranskription mit dem sog. 2-Augen-Prinzip erlaubt die – dennoch meist in sehr guter Qualität vorliegende – Auslieferung nach der Transkription mit einer Person ohne Korrekturdurchgang durch eine zweite Person. Dies erlaubt die Nachtranskription durch die Forschenden selbst und verbindet daher den kostengünstigeren Tarif mit der gewünschten Entlastung vom Arbeitspensum, gleichzeitig jedoch die intensive Auseinandersetzung mit dem eigenen Audiomaterial.

Manchmal wird die vollständige Transkription vorausgesetzt, mittlerweile werden jedoch zunehmen partielle Transkriptionen praktiziert, vor allem dann, wenn das originäre Audiomaterial in der laufenden Forschungsarbeit verwendet wird.

Die paraphrasierende Transkription wird ergänzend zur partiellen Transkription vorgenommen, und hält schlagwortartig oder in kurzen Sätzen Inhalte fest. Das Ziel einer paraphrasierenden Transkription ist eher die Inventarisierung von Material mit dem Zweck, zu einem späteren Zeitpunkt bestimmte Stellen schneller wieder zu finden. Paraphrasierende Transkripte werden gerne ergänzt mit einem ersten offenen Kodieren oder mit Notizen der Forschenden beim Erstzugang zum Material. Sie erlauben also eher einen Überblick über die eigene Datenbasis.

Kann man auch Videos oder Filme transkribieren?

Die Video- und Filmtranskription ist eine zentrale Neuentwicklung der Feldpartitur. Die Software Feldpartitur wurde speziell für die Qualitative Sozialforschung entwickelt und stellt einen Editor bereit, der nicht lediglich die auditiven Elemente in einem sozialwissenschaftlichen Datum erfassen hilft, sondern berücksichtigt auch die visuellen Elemente. Neben der nonverbalen Kommunikation sind das vielfältige Elemente, die sehr unterschiedlich erfasst werden. Von einer “Transkription” wird nicht immer gesprochen, da visuelle Informationen oft interpretiert oder hermeneutisch erschlossen werden. Qualitativ-sozialwissenschaftliche Video- und Filmtranskriptionen sind komplexer als Audiotranskriptionen, und werden daher in Seminaren vermittelt. Informationen sind (hier) zu finden.

Forschungsethik

Interview-, Gesprächs- oder sonstige lebensweltliche Aufzeichnungen sind besonders geschützte Daten und unterliegen nicht nur datenschutzrechtlich besonderen Auflagen sondern sind auch aus ethischen Gründen besonders schützenswert. Praktiken für den Umgang mit sensiblen Forschungsdaten entwickelten sich in den jeweiligen Disziplinen unterschiedlich, sie werden daher von allen Forschungseinrichten an den entsprechenden Informationsstellen (Forschungsförderungsstellen, Science Support Center und ähnliche) vermittelt. Darüber hinaus ist die Thematik für Sozialforscher/innen in den Grundlagenschriften vielfach aufbereitet worden (hier).

Literatur

Bohnsack, Ralf (1993) Rekonstruktive Sozialforschung. Einführung in Methodologie und Praxis qualitativer Sozialforschung“, Opladen, Leske+Budrich, S. 193f.
Dittmar, Norbert (2009) Transkription. Ein Leitfaden mit Aufgaben für Studenten, Forscher und Laien. Wiesbaden: Springer VS Verlag.
Edwards, Jane. A., & Lampert, M. D. (1993). Talking data: Transcription and coding in discourse research. Hillsdale, NJ: Lawrence Erlbaum Associates.
Grassegger, Hans. 2010. Phonetik Phonologie. Idstein: Schulz-Kirchner Verlag GmbH.
Kuckartz, Udo (2016) Qualitative Inhaltsanalyse: Methoden, Praxis, Computerunterstützung. Weinheim: Beltz Juventa. S. 166-169.
Moritz, Christine (2014) Transkription von Film-/Videodaten in der Qualitativen Sozialforschung. Wiesbaden VS Verlag.
Przyborski, Aglaja, Wohlrab-Sahr, Mnika (2009) Qualitative Sozialforschung. München: Oldenbourg Wissenschaftsverlag GmbH.

Wie kann ich Transkriptions-Dienstleistungen anfragen?

Im Rahmen der Feldpartitur führen wir seit 2011 Transkriptionen in vielen auditiven und visuellen Konventionen durch.
Wir sind spezialisiert auf eher größere Transkriptionsaufträge meist im Zusammenhang mit Drittmittelprojekten und arbeiten nahezu ausschließlich für Forschungseinrichtungen, Universitäten, Hochschulen und sonstige Einrichtungen der qualitativen Sozialforschung. Auch Privatpersonen zählen gelegentlich zu unseren Kund/innen.
Die Transkription wird meist auf der Basis einer Vertraulichkeitsvereinbarung (z.B. 2018_nda_Transkription_Feldpartitur_Vorlage) durchgeführt.

Detailliertere Informationen zum Transkriptionsprozess finden Sie (hier).

Ihre Transkriptionsanfrage

Ihre Anfrage für Transkriptionsservices richten Sie einfach direkt an uns per Mail an: info@feldpartitur.de. Wir benötigen folgende Angaben:

  • Wieviele Audiominuten möchten Sie in etwa transkribieren lassen?
  • Welchen Standard haben Sie gewählt?
  • Sind die Daten bereits vorhanden oder werden Sie die Interviews/Gespräche erst noch führen?
  • In welcher Sprache sind die Interviews geführt worden?
  • Sind starke Dialektfärbungen zu erwarten?
  • Ist eine weitgehend gute Tonqualität vorhanden?

Wir freuen uns auf Ihre Anfrage!

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