“Swift Shift”: Feldzugang in qualitativen videobasierten Forschungsdesigns.

Moritz, Christine (2018) “Swift Shift”: Feldzugang in qualitativen videobasierten Forschungsdesigns. Vortrag und unveröffentlichtes Manuskript 2018. Informationen https://uol.de/3go/termin/cal/swift-shift-feldzugang-in-qualitativen-videobasierten-forschungsdesigns-vortrag-5497/event/

„(…) aber dann trat ein seltsamer Wechsel der Situation ein: Im Augenblick des Einschaltens meines Aufzeichnungsgeräts – „Hey, super, danke – also nun läuft das Band …“ – veränderte sich das Verhalten von FB: Er bemühte sich, Hochdeutsch zu sprechen, nutzte keine Schimpfwörter mehr, bemühte sich, so schien es mir, um political correctness und eine quasi-dokumentarische Erzählung von vergangenen Erlebnissen. Die leidenschaftlichen, von schwäbischen Kraftausdrücken durchdrungenen Erzählungen wichen einer reflektierten, abwägenden und nüchternen Darstellungsweise. Es war, als würde FB auf einmal nicht mehr zu mir als einem ihm begegnenden Menschen, sondern zu mir als einer Forschungsperson sprechen. Geradezu manifest wurde die Orientierung, dieses „Sprechen zu“, indem wir uns beide, auch ich, unvermittelt zum Mikrofon hin orientierten.“ (FTB 2017)

„Als hätte man etwas umgeschaltet“ (…) „wie ein unmerklicher Ruck“ (…) „plötzlich eine Starre“ und ähnliche Aussagen habe ich in eigenen oder im Zusammenhang mit anderen Forschungsarbeiten häufig[1]

notiert, wenn es um eine geplante Audio- oder stärker noch - Kameraaufzeichnung von Feldpersonen in einer sozialwissenschaftlichen Untersuchung gehen sollte. Dieser plötzliche, manchmal kaum oder gar nicht bemerkbare Ruck, der in diesem Beitrag mit der Bezeichnung “Swift Shift“ betitelt werden soll, steht als ein Phänomen im Sinne der Grounded Theory Methodology im Zentrum des vorliegenden Beitrags. Kategorisiert, und anschließend in einem Modell visualisiert, werden Aspekte des ‚qualitativen videobasierten Feldzugangs‘, die bei einer ethnografisch ausgerichteten Videodatenerhebung von Bedeutung sein können. Es sollen hierbei einerseits sog. natürliche Videodaten thematisiert, aber auch weitere qualitative Videodatensorten – Aufzeichnungen in einem Labor oder Videosurveillance-Designs – berücksichtigt werden. Weiterhin im Fokus stehen Aspekte zu den unterschiedlichen Arten eines ‚Arbeitsbündnisses zwischen Forschungsperson und Feldperson‘ sowie ‚rechtliche Rahmungen (Datenschutz, Publikation von videobasierten Forschungsergebnissen‘). Diese Aspekte wirken auf die gegenwärtige Situation der Kameraaufzeichnung erheblich ein, und stellen daher im Zuge der Güte der erhobenen sozialwissenschaftlichen Daten lohnenswerte Reflexionsebenen dar.

[1] Der Vortrag fußt auf Notizen, Protokollen, Feldtagebüchern und Postscripts von Untersuchungen im Rahmen der interdisziplinären Online-Arbeitsgruppe „Netzwerkstatt“ (Moritz 2009); einer umfangreicheren Studie in einem instrumentalpädagogischen Feld (zB Moritz 2010), einem interdisziplinären polizeilichen Feld (Moritz 2018a und b), einem beratenden und methoden-lehrenden Feld (Moritz 2019 iV) darüber hinaus aus nichtpersonalen Memos meiner Consultingarbeit mit (Nachwuchs)Wissenschaftler/innen in unterschiedlichen Disziplinen. Literatur unter www.christine-moritz.de

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