“Swift Shift” Feldzugang in qualitativen videobasierten Forschungsdesigns

Qualitative Forschungsdesigns, die mit dem Einbringen einer Videokamera ins sog. “natürliche Feld” einhergehen, sind mit einer Vielzahl forschungsmethodischer, ethischer und datenschutzrechtlicher Fragen beschäftigt. In diesem Seminar werden Fragen rund um Themencluster fokussiert wie qualitativer Feldzugang, Arbeitsbündnis zwischen Forschungsperson und Feldperson, Einsatz einer Videokamera im sog. “natürlichen” Forschungsfeld oder datenschutzrechtliche Aspekte beim Einbringen von Videokameras.

Aus dem Inhalt

„(…) aber dann trat ein seltsamer Wechsel der Situation ein: Im Augenblick des Einschaltens meines Aufzeichnungsgeräts – „Hey, super, danke – also nun läuft das Band …“ – veränderte sich das Verhalten von FB: Er bemühte sich, Hochdeutsch zu sprechen, nutzte keine Schimpfwörter mehr, bemühte sich, so schien es mir, um Political Correctness und eine quasi-dokumentarische Erzählung von vergangenen Erlebnissen. Die leidenschaftlichen, von schwäbischen Kraftausdrücken durchdrungenen Erzählungen wichen einer reflektierten, abwägenden und nüchternen Darstellungsweise. Es war, als würde FB auf einmal nicht mehr zu mir als einem ihm begegnenden Menschen, sondern zu mir als einer Forschungsperson sprechen. Geradezu manifest wurde die Orientierung, dieses „Sprechen zu“, indem wir uns beide, auch ich, unvermittelt zum Mikrofon hin orientierten.“ (Auszug Forschungstagebuch 2017)

„Als hätte man etwas umgeschaltet“ (…) „wie ein unmerklicher Ruck“ (…) „plötzlich eine Starre“ und ähnliche Aussagen habe ich in eigenen oder im Zusammenhang mit anderen Forschungsarbeiten häufig [1] notiert, wenn es um eine geplante Audio- oder stärker noch - Kameraaufzeichnung von Feldpersonen in einer sozialwissenschaftlichen Untersuchung gehen sollte.

Dieser plötzliche, manchmal kaum oder gar nicht bemerkbare Ruck, der mit der Bezeichnung “Swift Shift“ betitelt wurde, steht als ein Phänomen im Sinne der Grounded Theory Methodology im Zentrum des Workshops.

Aufgebrochen, kategorisiert, und anschließend in einem Modell visualisiert werden die vielfältigen Aspekte des ‚qualitativen videobasierten Feldzugangs‘, die bei einer videobasierten Forschungsanlage von Bedeutung sein können. Es sollen hierbei einerseits sog. natürliche Videodaten thematisiert, aber auch weitere qualitative Videodatensorten – Aufzeichnungen in einem Labor oder Videosurveillance-Designs – berücksichtigt werden. Weiterhin im Fokus stehen Aspekte zu den unterschiedlichen Arten eines ‚Arbeitsbündnisses zwischen Forschungsperson und Feldperson‘ sowie ‚rechtliche Rahmungen (Datenschutz, Publikation von videobasierten Forschungsergebnissen‘). Diese Aspekte wirken bereits auf die gegenwärtige Situation zum Zeitpunkt der Kameraaufzeichnung ein, und stellen daher im Zuge der Güte der erhobenen sozialwissenschaftlichen Daten lohnenswerte Reflexionsebenen dar.

[1] Der Beitrag fußt auf Notizen, Protokollen, Feldtagebüchern und Postscripts von Untersuchungen im Rahmen der interdisziplinären Online-Arbeitsgruppe „Netzwerkstatt“ (Moritz 2009); einer umfangreicheren Studie in einem instrumentalpädagogischen Feld (zB Moritz 2010), einem interdisziplinären polizeilichen Feld (Moritz 2018a und b), einem beratenden und methoden-lehrenden Feld (Moritz 2019 iV) darüber hinaus aus nichtpersonalen Memos meiner Consultingarbeit mit (Nachwuchs)Wissenschaftler/innen in unterschiedlichen Disziplinen.

Zielgruppe

Forschende der videobasierten Qualitativen Sozialforschung (alle Qualifikationsstufen).

Voraussetzungen zur Teilnahme

Grundkenntnisse über das qualitative Paradigma sind wünschenswert aber keine Voraussetzung.

Referentin

Dr. Christine Moritz

Nächste Termine und Referenzen 

Das Seminar wird in Wissenschaftlichen Einrichtungen oder als Inhouse-Veranstaltung veranstaltet. Veranstaltungen und Referenzen siehe bitte im chronologischen Veranstaltungskalender

Information und Kontakt

info@feldpartitur.de

Literatur

Literaturangaben unter www.christine-moritz.de.

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