Praxisseminar: Hermeneutische Videoanalyse

In diesem zweitägigen Seminar sollen die Teilnehmer/innen grundlegendes Wissen über die Methode und die Methodologie der hermeneutisch-wissenssoziologischen Videoanalyse erwerben, das Verfahren der Videotranskription mit Unterstützung unterschiedlicher Verfahren erproben und an einem eigenen Beispiel (alternativ: Demomaterial) eine Videointerpretation vornehmen.  

Inhalt und Ziele

Jo Reichertz

Jo Reichertz

Im Praxisseminar wird die Methode der hermeneutischen Videoanalyse zunächst umfassend theoretisch vermittelt und anschließend praktisch in der Arbeitsform “Forschungswerkstatt” gemeinsam interpretiert (Reichertz 2013b). Im ersten Teil des Workshops werden die Besonderheiten hermeneutischer Videointerpretationen (Reichertz/Englert 2010; Raab 2008; Tuma/Schnettler/Knoblauch 2013) erarbeitet und mit den Teilnehmern/innen anhand konkreter Forschungsbeispiele diskutiert. Im zweiten Teil wird an einem Beispiel ein Ausschnitt eines Videos/Films mit Unterstützung der Software ‚Feldpartitur’ multikodal transkribiert (Moritz 2011, 2014, 2016). Der Transkriptionsprozess wird gemeinsam und ausführlich hermeneutisch analysiert, die Verschränkung zwischen der Analyse und der Erfassung als Besonderheit der Arbeit mit audiovisuellen Medien skizziert. Zum Abschluss des Seminars wird das Vorgehen reflektiert und weiterführende Fragen diskutiert.

Aus dem Inhalt

  • Impuls: Einführung in den viergliedrigen Video-Analyserahmen (Moritz 2014)
  • Vortrag mit Diskussion: Hermeneutische Video-/Filmanalyse (Reichertz/Englert 2010, Raab 2008; Tuma/Schnettler/Knoblauch 2013)
  • Vortrag: Überblick über die derzeitigen Videoanalyse- und Transkriptionsweisen (Moritz 2011)
  • Praxisübung: Reflexion des Betrachterhabitus bei der Arbeit mit Video-/Filmmaterial (Moritz 2011)
  • Softwareschulung: Einführung in die Software Feldpartitur in kostenlosem Demoaccount (5 Tage Laufzeit)
  • Forschungswerkstatt: Entwicklung eines Transkriptions-Designs
  • Forschungsconsulting von max. 2-3 Forschungsarbeiten: Durchführung von Interpretationsgemeinschaften (Reichertz 2013) mit Material der Forschenden (alternativ Demo-Material unterschiedlicher Genres nach Absprache)

Das Praxisseminar basiert auf folgender Fachliteratur:

Moritz, Christine (2011): Die Feldpartitur. Wiesbaden: VS Verlag.
Moritz, Christine (Hrsg.) (2014): Transkription von Video- und Filmdaten in der Qualitativen Sozialforschung. Wiesbaden: VS Verlag.
Moritz, Christine: Vor, hinter, für und mit der Kamera: Einführung in den viergliedrigen Videoanalyserahmen. In: Moritz 2014: 17-54.
Moritz, Christine (Hrsg.) (2016 i.V.): Video- und Filmdaten: Method(olog)ische Herausforderungen – forschungspraktische Lösungen aus multidisziplinärer Perspektive (in Vorbereitung, voraussichtlich 2016)
Raab, Jürgen (2008): Visuelle Wissenssoziologie. Konstanz: UVK.
Reichertz, Jo/Englert, Carina (2010): Einführung in die qualitative Videoanalyse. Wiesbaden: VS Verlag.
Reichertz, Jo (2013a). Die Bedeutung der Abduktion in der Sozialforschung. Über die Entdeckung des Neuen. 2. überarbeitet und erheblich erweiterte Auflage. Wiesbaden: Springer Verlag.
Reichertz, Jo (2013b): Gemeinsam interpretieren. Die Gruppeninterpretation als kommunikativer Prozess. Wiesbaden: Springer Verlag.
Reichertz, Jo (2014): Das vertextete Bild. Überlegungen zur Gültigkeit von Videoanalysen. In: Moritz 2014: 55-72.
Tuma, René/Schnettler, Bernt/Knoblauch, Hubert (2013): Videographie. Einführung in die interpretative Video-Analyse sozialer Situationen. Wiesbaden: Springer.

Didaktik

Das Seminar nutzt überwiegend studierendenzentrierte Methoden, produktive, reproduktive und rezeptive Methoden werden im Wechsel dargeboten. Hierzu zählen neben Impulsvorträgen die vertiefende Einzelkurzarbeit, die Assoziationsarbeit und insbesondere die methodisch kleinschrittig angeleitete Arbeit in Kleingruppen (“Forschungswerkstatt”, “Assoziationslandschaft”) direkt mit dem Material der Forschenden oder, alternativ, mit Demomaterial nach Absprache vorab. 

Zielgruppen

Das Seminar wendet sich an Wissenschaftler/innen aller Fachbereiche unterschiedlicher Qualifikationsstufen (Studierende bis Professor/innen), die qualitativ mit Video-/Filmmaterial arbeiten oder dies in der nächsten Zeit vorhaben, und die sich mit der Methode der Hermeneutischen Video-/Filmanalyse intensiv auseinandersetzen möchten. Das Seminar wird in allen Fällen auf die jeweilige Qualifikationsstufe abgestimmt.

Referent/innen

 

Dr. Christine Moritz

Dr. Christine Moritz

Prof. Dr. Jo Reichertz
Dr. Christine Moritz

 

Information

Sie haben Interesse an der Durchführung der Veranstaltung inhouse?

Informieren Sie sich bitte unter info@feldpartitur.de

Stichwort “Anfrage Inhouse-Veranstaltung Hermeneutische Video-/Filmanalyse”

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