Jahrbuch Innovationsförderung Baden-Württemberg

LWM_Jahrbuch_2014_WEB_72-73 Jahrbuch Innovationsgutscheine 2014 I

nformation und Kommunikation in unserer Gesellschaft werden zunehmend über audiovisuelle Medien vollzogen: Das Bild und das Video erobern mehr und mehr den kommunikativen Raum – von der visuellen Bauanleitung bis zur detaillierten Softwareschulung, in Print- oder Online-Medien: die Verständigung geschieht zunehmend über Bild und/oder Video. Gleichzeitig mit der Überfülle audiovisueller Daten entsteht eine technische Herausforderung: Eine automatische Erkennung der vielfältigen Inhalte (Sprache, Mimik, Gestik, Kameraschnitt, Bewegung, Gegenstände, Geräusche…), aber auch die Systematisierung der einzelnen Konstituenten (identifizieren, zählen, messen, auflisten) und nicht zuletzt die Archivierung von Inhalten im Video oder im Film (suchen und wiederfinden) erfordern Hightech-Entwicklungen, die zum derzeitigen Stand technisch nur in einzelnen Funktionen für je eine Anwendung umsetzbar sind.

Die Erschließung der audiovisuellen Inhalte basiert daher bislang meist nur auf knappen textuellen Annotationen und Kommentaren, die manuell erstellt wurden. Dies ist in der Regel ein sehr zeit- und kostenintensiver Prozess, der zudem der Anforderung an die Mikrodatenerfassung von Filmen und Videos nicht gerecht wird.

Mit der Software Feldpartitur wird nun neue Art des Umgangs mit den Informationen in Videodatenbanken möglich: da die Ereignisse in einem Video nicht – wie beim Text – nacheinander erscheinen, sondern in Gleichzeitigkeit, und zudem jedes einzelne Ereignis für sich eine spezifische Dauer hat, werden diese Inhalte nicht mehr eindimensional “getaggt”, sondern mittels der neuen Daten-Architektur, dem *.fpm-Format, erfasst: Damit können nun beliebig viele Ereignisse und/oder Metadaten in einem Video in zeitlicher Abfolge und in ihrer Gleichzeitigkeit erfasst und auf einer Oberfläche in verschiedenen Weisen übersichtlich visualisiert werden.Anders ausgedrückt: es handelt sich um die Übertragung der Video-Information mittels Text, visuellen Symbolen und konventionellen Zeichen in ein zwei-dimensionales Achsensystem, eben eine Feld-„Partitur“.

Dieser einfache Kerngedanke wird in der Sozialforschung, wo die Software in einer robusten cloud-Applikation bereits etabliert ist, als “Video-Turn” in der Erfassung von Videodaten bezeichnet, denn er erlaubt die Kombination verschiedener Datensorten (automatische und manuelle) in einem einzigen intelligenten Datenformat. Im Anschluss an diese durch ein EXIST-Stipendium des BMWi (2011) geförderte Entwicklung bestehende Entwicklung wurde es mit Hilfe des Innovationsgutscheins Hightech B möglich gemacht, das Datenformat *fpm für einen breiteren Einsatz auch in der Kommunikationsbranche weiter zu entwickeln und in einer ersten erprobenden Studie zu testen. Die Kombination von automatischer Erkennungssoftware mit intelligenter menschlicher Metadatenerfassung erlaubt nicht nur eine leistungsfähige Lösung der Problematik, sondern vor allem eine individuell passende Softwarelösung für viele Anwendungen.

Ziel des Vorhabens ist die Weiterentwicklung des Datenformats *.fpm für Anwendungen überall dort, wo eine individuelle und komplexe Verschlagwortung von Videos und Filmen notwendig ist: im Video- und Filmarchiv, in den Pressediensten, Rundfunkanstalten und in der Film-, TV- und Internetwerbung – aber auch in den Bereichen, wo die Mikroanalyse von Videodaten eine große Rolle spielt: im videobasierten Führungskräfte-, Kompetenz- und Leistungstraining.

Aus: Jahrbuch Innovationsgutscheine (2014). Informationsschrift des Landes Baden-Württemberg, S. 72-73. (hier)
Kontakt: info@feldpartitur.de

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